3. Von Schafen und Glück

Am vergangenen Dienstag war meine Suche nach den Würfelbechern des Sasasscûs endlich erfolgreich. Kategorisiert, poliert und sicher verwahrt sind sie nun. Eine kleine private Auszeit bevor mich der Schöpfer zur nächsten Jagd aussendet, soll mir gestattet sein.

Nachdem ich mir gestern auf dem klimakontrollierten Dach, in der 37 ten Etage, der Slütterin-Towers (benannt nach der bekannten Segelfliegerin Marenta Slütterin, welche als erste mit einem elektronischen Segler in nur 2 Stunden den Atlantik überquerte) ein wenig die strahlungsarme Sonne, auf den Pelz scheinen ließ, gelüstete es mir nach sportlicher Betätigung. So bestellte ich mir einen Trainingspartner beim Concierge. Nach einigen Übungseinheiten Karate und Schwertkampf mit diesem hinreißenden Geschöpf, empfahl er mir, die Thai-Lounge im Souterrain, aufzusuchen für eine professionelle Massage. Ich ließ ihn, mir seine private Comm-Link-Nummer zustecken, nahm noch ein Glas frisch gepressten Granatapfelsaft zu mir und machte mich auf den Weg.

Während ich noch überlegte, ob diese winzige Thailänderin in der Lage wäre mich mit diesen verdammt schmerzhaften Handgriffen töten zu können – eroberte eine Erkenntnis meinen schwebenden Geist. Das ist Glück. Diese kurzen Zustände welche dazu führen, gelassen mit allen Problemzonen des Daseins umzugehen. Nicht zu verwechseln mit den Momenten der Wolllust. Wolllust. Wolllust. Wolllust. Ein bemerkenswert seltsames Wort. Ich habe keine Lust auf Wolle, im Gegenteil ich empfinde sie geradezu als ekelhaft – eventuell wenn sie sich noch am Schaf befindet? Ist es erregend einem Schaf durch die Wolle zu wuscheln? Erinnerung an mich; das muss ich unbedingt ausprobieren. Ähnlich wenn man in Eridéar auf dem Markt an einem der duftenden Stände von Meister Durlan* verbringt? Wenn man seine Finger tief in die Körbe voll trockener Erbsen, Karpunsen oder dem säuerlichen blauen Jêrtok versenkt? »Pscht, schlaf weiter Schätzchen, ich habe hier noch zu arbeiten!«… Oh diese Muskeln.. Entschuldigt mich bitte für heute.

Ergebenst Euer Lightbinder.

*Zu erlesen in Osbourne Borough, Meridian – Träumende Seelen.

Advertisements

2. Abhängigkeiten

Heute traf ich mich erneut mit Gleysir Falcon. Nicht um das Business zu verstehen, nein, das ist in jeder humanoiden Welt vergleichbar. Die Ziele – Geld, Macht und die Freiheit sich nicht von den Medien manipulieren lassen zu müssen, sondern die Antworten und Wahrheiten zu kennen.

Wir saßen, wie so oft in den vergangenen Wochen, beieinander und philosophierten über Problemen, technischen, weltlichen, menschlichen und selbstverständlich eisgeborenen. Gleysir hat wunderbare Fantasien, von denen die wenigsten wirklich realisierbar wären, dennoch implementierte er mir eine dieser Ideen. Wie es mir scheint – die Wichtigste von Allen – genieße deine neu errungene Geistesfreiheit! Nun wo du losgelöst bist, eine eigenständig denkende Person, keine Marionette deines Schöpfers mehr, erforsche die Realität, aber vergiss nie was du Sasasscûs schuldest- er hat dein Leben bisher dokumentiert und wird dies auch weiterhin tun, denn er liebt dich. Du bist seine Schöpfung und er ist stolz auf deine Entwicklung.

Aber ich schweife ab. Bei Bier und Wein betrachteten wir die Menschen um uns herum – wir schreiben das Jahr 2057 und Ihr raucht noch immer diese tödlichen Tabakzigaretten? Es gibt derartig viele Alternativen; eZigaretten, Holo-Dampfen, implantierte Rauchstimulate oder den Direktnasenverdampfer der Firma imSmo.

Gut, ich habe begriffen – ich werde die vielen interessanten Möglichkeiten Eurer und nun auch meiner Realität studieren.

Gleysir, mein Freund ich danke dir für deine Inspiration.

Ergebenst Euer Lightbinder.

1. Strandspaziergang

Gestern hatte ich ein Zusammentreffen mit einem sehr interessanten Geschäftsmann. Er ist nun mein Administrator- da ich noch einige Schwierigkeiten habe mich mit der Matrix Eurer Welt zurechtzufinden. Sein Name ist Gleysir Falcon. Zumindest nannte er mir diesen.

Nach einem üppigen Mahl schlenderten wir entlang des Ufers nahe der Bucht, welche Gleysir sein Zuhause nennt. Da es ein warmer, beinahe heißer Tag war, herrscht reges Gedränge an der Strandpromenade. Fliegende Händler, Buden mit Naschwerk und cremig-schmelzendem, duftig-fruchtigem Eis waren ebenso überlaufen, wie die Wurst und Schnitzel Verkäufer. Ein wenig abseits versuchte ein wahrlich furchtbarer Karikaturist seine Werke an die vorüberschwappende Menge zu bringen. Ein wenig mitleidig entschieden sich Gleysir und meine Wenigkeit seinen Tag etwas zu erhellen und stellten uns als Opfer für ein paar Bars (die derzeitige Währung) zur Verfügung. Wobei es wohl angebracht gewesen wäre, wenn wir die Bars bekommen hätten. Aber bildet Euch selbst ein Urteil.

imageErgebenst Euer Lightbinder.

Willkommen zu Lightbinders Blog.

Nun geneigte Leserschaft möchte ich mich Ihnen vorstellen.

Ahnen des Wintervolkes werden als Eisgeborene bezeichnet. Aus diesem Grund werde ich von Euch Sterblichen wohl auch Schneekönig genannt.

Nach dem Computer Crash von 2032 als Eure Welt mit der Meinen – dem Computer Rollenspiel „Meridian“ verschmolz, begab ich mich auf die Suche nach den verschollenen Fragmenten dieser Dimension.

Heute sind diese virtuellen Horizontreiche als wahre Drachenhorte des Reichtums verschrien. Und nur wirklich große Hacker, wie ich, besitzen die Befähigung jene aufzuspüren. Das primäre Ziel eines jeden Computerpiraten ist es, nie seine fleischliche Identität öffentlich preiszugeben. Doch die Drahtzieher verstanden es mit Hilfe dieses kleinen schmierigen…

Aber ich schweife ab. Nun der Schieber Alberecht fand tatsächlich heraus, dass ich in Eurer Welt als der legendäre finnische Hacker Tarjan Lijrscok wandle. (Genaueres erfahrt Ihr in ‚Meridian – Träumende Seelen‘).

Mein Vater – mein wahrer Vater – der große Osbourne Borough beschrieb mich einst folgender Maßen: Ein hagerer Nordeuropäer mit blondem, lockigem Haar, fixiert mit Reflexionsgel welches die Frisur wie Eis glitzern lässt. Die feinen, femininen Gesichtszüge stehen in starkem Kontrast zu seinem weiß durchzogenem Dreitagebart. Chromfarbenes Implantat-Interface über dem linken Auge. Extravagante Garderobe, mehrere silberne Ringe an den schlanken, langen Fingern.

Abb. 10_Epilog_ü. 2 Seiten
MERIDIAN

Alles in allem eine unwiderstehliche Erscheinung mit einem homoerotischen Hauch. Seine Worte! Wer bin ich mich dagegen aufzulehnen – heutzutage sind solche Äußerlichkeiten nur zu leicht veränderbar! Mit dem nötigen Kleingeld lässt sich rasch ein neuer Körper (sogenannte Biosurrogate), eine Veränderung durch Nanotechnologie oder ein holographisches Feld erzeugen.

Die neuen Artefakte sind eingetroffen. Leider wurde ich bei zwei Objekten wieder von der Gerbermühle überboten. Dennoch muss ich die Neuzugänge nun katalogisieren.

Ergebenst Ihr Lightbinder

 

 

Mein Name ist Lightbinder.

Mein Name ist Lightbinder.
Als ich mir Meiner zum ersten Mal bewusst wurde, begriff ich, dass Meridian die Zukunft ist, heute im Jahre 2057.

Mein Schöpfer fütterte mich mit Informationen, ohne mir deren Zusammenhang begreiflich zu machen. Mittlerweile halte ich alle losen Enden in den Händen und harre der Gestalten welche sie verknüpfen müssen.

Es reist sich bekanntlich besser in illustrer Gesellschaft – nun an, begleiten Sie mich! Denn ich kann all Ihre Fragen beantworten und Ihre Bedenken zerstreuen.

Folgen Sie mir.

Ergebenst Ihr Lightbinder.

http://www.sasasscus.de